Zivildienstersatz im Ausland

In dieser Episode spricht Johann über seine Auslandserfahrungen im Zivilersatzdienst beim Österreichischen Auslandsdienst. Johann verbrachte seine Zivildienstzeit in einem Dokumentationsarchiv in Bayern. Als Gedenkdiener beschäftigt er sich dort mit dem 2. Weltkrieg und dem Holocaust.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Transkription des Podcasts

 

Na Logo, der Logo-Podcast

Hallo und herzlich willkommen zu Na Logo. Logo, das ist die steirische Fachstelle für Jugendinformation und Kommunikation. Wir informieren Jugendliche von 12 bis 26 Jahren zu allen Themen, die für sie relevant sind. In unserem Podcast sprechen wir in regelmäßigen Abständen über aktuelle Themen aus dem Jugendbereich.

Mein Name ist Anna, ich bin Jugendinformationsberaterin im Logo und werde euch durch die heutige Episode begleiten.

Du möchtest mehr über uns und unsere Angebote erfahren? Dann besuch uns doch einfach einmal auf unserer Website www.logo.at oder auf Social Media. Derzeit sind wir auf Instagram, TikTok, Snapchat, Discord und Facebook aktiv. Natürlich freuen wir uns auch darüber, wenn ihr unseren Podcast abonniert.

In der heutigen Episode sprechen wir mit Johann über seinen Zivilersatzdienst im Ausland. Hallo Johann, herzlich willkommen bei uns im Podcast.

Hallo Anna, danke. Ich bin der Johann Paschengeitner. Ich bin 25, damit einer der Älteren beim Auslandsdienst, und mache jetzt gerade noch meinen Auslandsdienst an der Dokumentation Obersalzberg in Bayern.

Für alle, die es noch nicht wissen: Was ist eigentlich ein Zivilersatzdienst im Ausland und welche Möglichkeiten habe ich da als Jugendlicher?

Ein Zivilersatzdienst im Ausland ist prinzipiell einmal ein freiwilliger Dienst, der im Nachhinein als abgeleisteter Zivildienst angerechnet werden kann. Es gibt grundsätzlich drei Möglichkeiten: den Gedenkdienst, den ich mache, den Sozialdienst oder den Friedensdienst.

Wie kann man sich die drei Dienstarten vorstellen?

Gedenkdienste finden meistens in Museen oder anderen Stätten statt, an denen man sich mit dem Holocaust beschäftigt. Sozialdienste sind meistens Sozialprojekte wie Schulen oder Kinderbetreuungseinrichtungen. Friedensdienste sind Projekte, die sich mit verschiedensten Konfliktsituationen und anderen Dingen beschäftigen, die, wie der Name schon sagt, mit Frieden zu tun haben. Das sind auch meistens Museen oder ähnliche Einrichtungen.

Du hast schon gesagt, du absolvierst einen Gedenkdienst in Bayern in einem Dokumentationszentrum, wenn ich das richtig verstanden habe. Möchtest du uns vielleicht etwas aus deinem Alltag erzählen? Wie kann man sich das vorstellen?

Ich arbeite im Bildungsreferat der Dokumentation Obersalzberg mit. Das heißt, ich arbeite in jenem Bereich des Museums, der sich um das gesamte Bildungsprogramm kümmert. Dort werden Workshops vorbereitet und durchgeführt, Führungen angeboten und andere Leute dazu ausgebildet, selbst Führungen geben zu können. Auch die Öffentlichkeitsarbeit des Museums fällt darunter.

Sonst ist es eigentlich ein recht normaler Bürojob, sage ich einmal. Er ist aber trotzdem sehr vielfältig und man beschäftigt sich eben auch mit dem Holocaust. Das zentrale Thema sind der Zweite Weltkrieg und der Holocaust. Es ist auf jeden Fall ultraspannend. Man lernt quasi jeden Tag etwas dazu und es tun sich immer wieder neue Fragen auf, die allerdings oft schwierig zu beantworten sind. Aber das macht die Spannung des Ganzen aus.

Welche Fragen wären das zum Beispiel?

Eine Frage, die mich fast die ganze Zeit beschäftigt, ist: Wie hat die Bevölkerung Deutschlands und auch Österreichs nach dem Zweiten Weltkrieg wieder neu anfangen können? Ich kann mir kaum vorstellen, wie man nach diesen unglaublichen Schreckensjahren wieder normal weitermachen konnte. Da mussten Täter und Opfer gleichermaßen wieder zusammenarbeiten. Ich bin noch immer auf keine Antwort gekommen.

Es ist noch ein sehr, sehr langer Prozess. Aber gerade wenn man aus Österreich ist, ist es auch ganz gut, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Dafür ist der Zivilersatzdienst beziehungsweise Gedenkdienst eine sehr gute Möglichkeit, wenn man das längerfristig machen und sich mit solchen Fragen beschäftigen möchte.

Was hat dich persönlich motiviert, ins Ausland zu gehen oder einen solchen Zivilersatzdienst zu machen?

Es hat einige Faktoren gegeben. Ich habe mich schon davor immer wieder mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Diese Zeit hat für mich immer wieder Fragen aufgeworfen, die ich mir nicht erklären konnte. Deshalb habe ich mich dafür interessiert.

Dann hat ein Freund von mir in der Schule erwähnt, dass er das machen möchte. Ich habe mir das angeschaut und mir gedacht: Das ist eigentlich eine coole Idee. Zu diesem Zeitpunkt konnte man den Zivilersatzdienst auch bis nach dem Studium aufschieben. Das hat mir ganz gut gepasst, weil ich sofort zu studieren beginnen wollte. Das war es eigentlich.

Du absolvierst deinen Zivilersatzdienst beim Österreichischen Auslandsdienst. Wie schaut dort die Vorbereitungsphase aus? Was wären die ersten Schritte, wenn ich sage: Okay, ich möchte über den Österreichischen Auslandsdienst meinen Zivilersatzdienst machen? Wie wird man dabei unterstützt?

Zu Beginn würde ich einmal eine Onlinebewerbung abschicken. Dann meldet sich ein Tutor bei dir, der dich in den Verein einführt und dir erklärt, was die ersten Schritte sind.

Danach gibt es eine Neuinteressentenphase. In dieser schaust du dir an, ob der Verein etwas für dich ist und ob du eine Stelle findest, die zu dir passt. Wenn du anschließend aufgenommen wirst und Kandidat bist, gibt es – abhängig davon, wann dein Auslandsdienst stattfindet – eine Vorbereitungsphase von ungefähr einem Jahr bis hin zu, in Extremfällen wie bei mir, fünf Jahren.

In dieser Zeit besucht man Veranstaltungen, bereitet sich inhaltlich vor und arbeitet im Verein mit, damit dieser weiterbestehen kann. Wenn es möglich ist, besucht man vielleicht auch schon im Vorhinein die Einsatzstelle und lernt die zukünftigen Vorgesetzten sowie Kolleginnen und Kollegen kennen.

Okay, also ganz wichtig, wenn ich das richtig heraushöre: Wenn man so etwas plant, sollte man frühzeitig damit anfangen, sich zu informieren. Gerade im speziellen Fall des Österreichischen Auslandsdienstes ist noch einmal eine längere Vorbereitungszeit einzukalkulieren. Fünf Jahre müssen es wahrscheinlich nicht immer sein, aber ungefähr ein Jahr sollte man dafür einplanen.

Was bei allen Auslandsaufenthalten ebenfalls eine Rolle spielt, sind die Kosten. Kannst du uns dazu etwas sagen? Wie viel kostet ein Zivilersatzdienst im Ausland und gibt es Fördermöglichkeiten?

Prinzipiell kann man nicht wirklich sagen, ein Zivilersatzdienst im Ausland kostet einen bestimmten Betrag, da sich die Kosten stark danach unterscheiden, welchen Dienst man wo macht. Ein Gedenkdienst in New York City wird ziemlich sicher wesentlich mehr kosten als ein Sozialdienst in Indien.

Es gibt eine Förderung, die allerdings nicht hoch genug ist, um die Lebenshaltungskosten besonders in den teuren Ländern zu decken. Wir versuchen im Verein, die Förderung so aufzuteilen, dass wir den Leuten, die in teure Länder gehen, zum Beispiel nach New York, eine höhere Förderung auszahlen können. Dafür wird die Förderung ein bisschen umverteilt.

Das bedeutet, dass Leute, die einen Sozialdienst in Indien oder etwas Ähnliches machen, wahrscheinlich nur sehr wenig oder vielleicht sogar gar nichts selbst dazuzahlen müssen. Für die Personen in New York ist es leider immer noch so, dass sie einen erheblichen Betrag selbst zahlen müssen, einfach weil die Stadt so teuer ist und sich das mit der Förderung schlicht und einfach nicht ausgeht.

Okay, aber man hat auf jeden Fall unterschiedliche Möglichkeiten und es gibt zumindest eine kleine Förderung. Das ist ja schon einmal etwas.

Prinzipiell würde ich sagen: Wenn man nicht unbedingt nach Nordamerika möchte, findet man für fast jeden Geldbeutel irgendwo eine Möglichkeit, einen Zivilersatzdienst zu machen.

Ich würde dich auch noch gerne fragen: Gibt es ein besonderes Erlebnis, egal ob gut oder schlecht, das dir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist? Es gibt wahrscheinlich sehr viele. Aber gibt es einen bestimmten Moment, bei dem du sagst: Der wird mir ewig in Erinnerung bleiben?

Es gibt einige solche Aha-Momente, in denen sich Fragen für mich geklärt haben. Ich könnte jetzt nicht wirklich sagen, wann genau diese waren. Aber diese Momente, in denen sich ein neuer Aspekt auftut, waren sehr cool für mich.

Ein Moment, der mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird, liegt eher auf der negativen Seite: der Moment, in dem die Corona-Krise mit dem Lockdown und allem begonnen hat. Da hat es plötzlich wie aus heiterem Himmel geheißen: Okay, die Grenzen nach Deutschland sind zu, Homeoffice ist angesagt und wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Dabei hatten wir am Tag davor noch eine Veranstaltung. Im Nachhinein war dann schon alles anders. Es ist so schnell gegangen, dass man es fast nicht glauben konnte.

Das wird wahrscheinlich überall so gewesen sein. Aber im Süden von Bayern fühlt es sich manchmal so an, als wäre man etwas vom Rest der Welt abgeschottet. Und dann ist der Rest der Welt doch dort angekommen.

Wenn du die Erfahrung noch einmal machen würdest: Gibt es Dinge, die du anders machen würdest, gerade bei der Vorbereitung oder ganz allgemein?

Außer mir vielleicht ein anderes Jahr auszusuchen, in dem nicht gerade eine globale Pandemie ausbricht, würde mir jetzt nichts einfallen, was ich erheblich anders machen würde.

Alles im Leben kann man nicht planen. Das ist vielleicht auch etwas Gutes, das wir den Jugendlichen mitgeben können: Vieles ist planbar, aber man muss sich auch einfach auf die Erfahrungen einlassen. Und diese Erfahrung wirst du auf jeden Fall nie vergessen.

Das stimmt, ja.

Hast du noch Tipps? Ich frage am Ende unseres Podcasts immer nach den drei wichtigsten Tipps, die man Jugendlichen weitergeben kann, wenn sie so etwas planen.

Ja, das habe ich vorher vergessen. Mein wichtigster Tipp für jemanden, der einen Auslandsdienst machen möchte, ist: Rede mit den Leuten, die bereits an der jeweiligen Stelle waren und dort ihren Auslandsdienst gemacht haben.

Das Allerwichtigste ist meiner Meinung nach, dass die Stelle und die Arbeit dort zu einem passen. Man verbringt zehn Monate dort. Wenn die Stelle nicht zu einem passt, wird das Ganze wirklich nicht besonders angenehm. Wenn sie aber passt, können auch andere Umstände, zum Beispiel eine Pandemie, eintreten und es ist trotzdem noch irgendwo in Ordnung.

Der zweite Tipp ist, speziell in unserem Bereich auf jeden Fall ein bisschen Flexibilität mitzubringen – entweder in Bezug auf das Jahr, in dem man geht, oder auf die Stelle. Es kann sich immer etwas ändern, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Wenn man dann flexibel ist, hat man trotzdem noch gute Möglichkeiten, etwas zu machen.

Ich würde mich daher nicht genau auf eine bestimmte Stelle in einem bestimmten Jahr versteifen, weil immer etwas passieren kann.

Der dritte Tipp ist vielleicht ein bisschen ein Downer: Ich würde mich gemeinsam mit dem Vorgänger darüber informieren, was ein Auslandsdienst an der jeweiligen Stelle ungefähr kostet. Die Kosten können sehr stark variieren. Man sollte sich das wirklich vorher anschauen und nicht erst währenddessen darauf kommen, dass man doch wesentlich mehr Geld braucht als gedacht.

Ja, sich im Vorhinein gut zu informieren, ist immer ein sehr guter Tipp. Dann sage ich: Danke, lieber Johann, für die zahlreichen Tipps und Einblicke, die du uns in deine Auslandserfahrungen gewährt hast.

Unseren Zuhörerinnen und Zuhörern sage ich danke fürs Zuhören. Ich hoffe, euch hat die Episode gefallen und ihr konntet wieder etwas Spannendes für euch mitnehmen.

Bis zum nächsten Mal bei Na Logo.