Als junge Frau allein die Welt bereisen
Du hast Zeit und Geld angespart – und jetzt zieht es dich in die Ferne? Aber irgendwie hat niemand deiner Freund*innen Zeit, dich zu begleiten?
Warum also nicht allein aufbrechen?
Wenn du schon mal mit dem Gedanken gespielt hast, ohne Mitreisende ein anderes Land zu entdecken oder sogar schon einmal als Solo-Traveller unterwegs warst, kennst du vielleicht diese Reaktionen aus deinem Umfeld: „Alleine als Frau? Das ist doch viel zu gefährlich!“ „Wird dir da nicht langweilig?“ „Ich könnte mir das nie vorstellen…“
Eines vorweg: Frauen können selbstverständlich allein die Welt erkunden – lass dich nicht davon abbringen, wenn du planst, auf eigene Faust neue Länder kennenzulernen.
Was allerdings stimmt: Die Erfahrungen junger Frauen, die allein auf Reisen gehen, unterscheiden sich häufig von denen gleichaltriger Männer.
Damit dein Solo-Trip unvergesslich, möglichst stressfrei und sicher wird, lohnt es sich, ein paar praktische Tipps zu kennen – los geht’s mit der Vorbereitung.
Gut vorbereitet unterwegs
- Informiere dich im Vorfeld über dein Reiseziel: Wie ist die allgemeine Sicherheitslage? Was gilt vor Ort als angemessenes Verhalten? In manchen Ländern gibt es zum Beispiel bestimmte Kleidervorschriften oder kulturelle Erwartungen daran, wie Frauen in der Öffentlichkeit auftreten. Es hilft, diese vorab zu kennen, um sicher und respektvoll unterwegs zu sein – und unangenehme Situationen zu vermeiden.
- Plane im Vorhinein deine (erste) Unterkunft und den Transport dorthin: Wenn du weißt, wohin du nach deiner Ankunft musst und wie du am besten hinkommst, startet deine Reise gleich entspannter. Wenn möglich, versuche dein Ziel bei Tageslicht zu erreichen – das erleichtert die Orientierung und gibt dir ein sichereres Gefühl.
- Sammle Tipps und Erfahrungsberichte zu deiner Wunschdestination: Frag Freund*innen oder Familie – und schau online auf Blogs und in Foren. Sei aber vorsichtig mit dem Content von Influencer*innen – nicht alles, was perfekt aussieht, entspricht der Realität.
- Packe leicht – weniger ist mehr: Spätestens, wenn du unterwegs aufs WC musst und niemand da ist, der auf dein Gepäck aufpasst, weißt du, warum. Je weniger du zu tragen musst, desto kostengünstiger, freier und gelassener reist du.
- Bereite wichtige Dokumente und Notfallnummern vor: Kopiere Reisepass, Visum, Versicherung, Kreditkarte & Co. – am besten digital und analog. Notiere dir Nummern von Botschaft, Bank und Notfallkontakten, falls Handy oder Geldbörse verloren gehen. So bist du für den Ernstfall gewappnet.
Angekommen – und jetzt?
Geschafft – du bist endlich in deinem Wunschland angekommen! Und jetzt? Ganz einfach: Du kannst deinen Tag so gestalten, wie du es willst. Ausschlafen, stundenlang durch die Stadt schlendern oder gemütlich im Straßencafé sitzen und Leute beobachten – du allein bestimmst den Rhythmus deiner Reise. Das ist einer der größten Vorteile am Alleinreisen: volle Freiheit!
Wenn du dich beim Essen gehen oder beim Warten auf die Öffis etwas komisch fühlst – keine Sorge, das ist ganz normal. Tipp: Nimm dir einen E-Reader oder ein gutes Buch mit. So vergeht die Zeit schneller und du fühlst dich wohler.
Allein, aber nicht einsam
Was tun, wenn dir das Alleinsein zu viel wird? Die gute Nachricht: Du wirst meistens gar nicht lange allein bleiben. Viele Alleinreisende berichten, dass sie viel öfter mit anderen ins Gespräch kommen, als wenn sie in Begleitung reisen.
Hier ein paar Tipps, um schnell Kontakte zu knüpfen:
- Übernachte in Hostels: Dort triffst du oft auf andere junge Reisende, die genauso offen sind wie du.
- Mach bei einer Free Walking Tour mit: In vielen Städten gibt es kostenlose Stadtführungen auf Spendenbasis. Du lernst die Stadt kennen – und ganz nebenbei auch neue Leute.
- Such gezielt nach Angeboten für Solo-Traveller: Viele Unterkünfte und Touren richten sich inzwischen an alleinreisende Menschen – perfekt, wenn du offen für neue Begegnungen bist.
- Nutze Online-Communities für alleinreisende Frauen: Auf Plattformen wie Host a Sister (eine internationale Facebook-Community) kannst du mit weiblichen Locals in Kontakt kommen, dich verabreden oder sogar einen Schlafplatz finden.
Und wenn dir mal jemand zu aufdringlich wird: Du darfst (und sollst!) Grenzen setzen. Du bist niemandem eine Erklärung schuldig – eine harmlose Notlüge ist absolut okay, wenn du dich aus einer unangenehmen Situation befreien willst.
Safety first
Womit wir beim Thema Sicherheit wären: Du musst nicht ständig mit dem Schlimmsten rechnen, aber ein paar einfache Sicherheitsmaßnahmen sorgen dafür, dass du deine Reise noch mehr genießen kannst.
- Halte Familie und/oder Freund*innen auf dem Laufenden: Teile ihnen regelmäßig deinen Aufenthaltsort und deine groben Reisepläne mit oder nutze die Standortfreigabe deines Smartphones.
- Bleib erreichbar: Mit vollem Akku (Powerbank nicht vergessen) und einer lokalen SIM- oder eSIM-Karte bist du flexibel – und kannst im Notfall Hilfe rufen (Notfallnummern einspeichern!) und Übersetzungs-Apps bei Sprachbarrieren nutzen.
- ¡No des papaya!* – biete keine leichte Beute: Zeige Wertsachen nicht offen, das könnte unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
- Hol dir Tipps von Locals: Frag bei deiner Unterkunft nach, welche Viertel sicher sind – vor allem nachts. Meist bekommst du ehrliche, hilfreiche Einschätzungen.
- Abends besser in Begleitung: Wenn du nachts ausgehen möchtest, schließ dich anderen an. Allein durch fremde Straßen zu laufen, kann je nach Stadt riskant sein – gemeinsam macht’s sowieso mehr Spaß.
- Taxi oder Uber? In manchen Ländern ist Uber sicherer, in anderen ein klassisches Taxi oder ein anderer Fahrdienst. Frag vor Ort, was empfohlen wird – und steig nur in registrierte Fahrzeuge.
- Bauchgefühl: Dein Instinkt sagt dir, es wäre keine gute Idee? Dann lass es sein! Vertraue deiner Intuition.
Und jetzt nichts wie los: Mit guter Vorbereitung und einer gesunden Portion Neugier steht deinem Abenteuer nichts im Weg. Und wenn du noch Fragen hast – deine regionale Jugendinfo hilft dir gerne weiter!
*Kolumbianische Redewendung: „no dar papaya“ bedeutet sinngemäß, sich nicht unnötig angreifbar zu machen oder keine Gelegenheit zum Ausnutzen zu bieten.