Freiwilligendienst in Österreich
Seit einem Monat bin ich nun im Ausland, weit weg von meiner Familie, meinen Freund*innen und meiner vertrauten Umgebung und spreche eine fremde Sprache. Das mag sich schrecklich anhören, denn ohne Orientierung zu sein, ist anstrengend und verlangt viel Energie. Mehrmals habe ich mich gefragt, warum ich diese Entscheidung getroffen habe. War es, weil ich das Abenteuer suchte?
Ja, als große Romantikerin des Lebens liebe ich es, mich ab und zu zu verlieren. Es ermöglicht, neue Wegbiegungen zu entdecken, unbekannte Menschen zu treffen und Teile von sich selbst zu finden, die unter der dichten Wolke des Komforts verborgen lagen.
Vielleicht liegt die Antwort genau in diesem Gedanken. Wollte ich nicht einfach in einer neuen Welt verloren gehen, um Neues zu entdecken? Wahrscheinlich. Aber lassen wir die Fragen für einen Moment beiseite und betrachten den Weg, der mich hierhergeführt hat.
Wie gesagt, seit einem Monat lebe ich ein neues Leben. Zu Beginn habe ich unglaublich viel in kurzer Zeit gelernt – ich weiß jetzt, wie man Wäsche wäscht und manche leckere Gerichte kocht, die meine Mutter immer für mich gemacht hat. Ich habe herausgefunden, wo ich arbeite, wer meine Kolleg*innen sind, welche Aufgaben mich in diesem Freiwilligendienst erwarten und, nicht zu zuletzt, wie der Kaffee im Büro schmeckt! (Zum Glück ist er gut.) Ich habe auch die anderen Freiwilligen kennengelernt, die in der gleichen Situation sind wie ich und mit denen ich das Jahr nutzen werde, um ganz viele Ecken Österreichs und die umliegenden Länder zu entdecken. Diese ersten Erlebnisse waren nicht allzu schwierig für mich, denn ich war voller Vorfreude auf alles Neue und wurde in jedem Moment begleitet und liebevoll umsorgt.
Schwieriger wurde es, als ich allmählich weniger betreut wurde und das „Umsorgtwerden“ nachließ. Ah, die Unabhängigkeit! Sie ist herausfordernd, weil man eigenständig Lösungen finden muss, sich trauen, Fragen zu stellen und mit aufkommenden Zweifeln umgehen muss – das ist manchmal nicht leicht. Täglich abwaschen? Hm, nicht so großartig. Aber hey, mit Beyoncé im Ohr wird’s erträglicher.
Was den Kulturschock betrifft, glaube ich nicht, dass ich ihn bisher erlebt habe. Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt eine Kultur habe. Eine sehr dramatische Frage, die bei mir aufkam, als ich bemerkte, dass ich die einzige war, die keine kulturellen Unterschiede sah. Aber bei genauerem Hinsehen, ja, ich habe kulturelle Wurzeln – vielleicht sehe ich die Unterschiede nicht so sehr mit den Österreicher*innen, aber dafür mit den anderen Freiwilligen. Also Ellie, keine Sorge, du hast kulturelle Wurzeln. Puh.
Zusammengefasst beginnt meine Erfahrung hier auf eine wunderbare Weise, mit den kleinen Höhen und Tiefen des Lebens.
