Agnes' Freiwilligendienst in Transylvanien!
Bepackt mit einem riesigen Wanderrucksack und einem großen Koffer startete meine Reise in Wien, als ich das erste Mal in den Nachtzug Richtung Bukarest (Rumänien) stieg. Nach vielen Stunden und wenig Schlaf kam ich in Sighisoara an und es ging in einem Taxi weiter zu einem kleinen Ort namens Cristuru Secuiesc, meinem Zuhause für die nächsten 8 Monate (Oktober 2025-Mai 2026). Als ich auf dem Weg gleich ein Pferdefuhrwerk sah, wusste ich, ich war nach Monaten der Vorfreude und des Ungewissens wirklich angekommen.
Im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps (ESK) arbeitete ich mit der Organisation A.T.A. (Development Support for Transylvania) zusammen und war größtenteils in einem Kindergarten tätig. Doch zunächst lernte ich meine Mitbewohner kennen, zehn andere Freiwillige aus sechs verschiedenen Ländern, die ich heute zu meinen besten Freunden zählen kann und ohne die diese Erfahrung sicher nicht dieselbe gewesen wäre. Aber was macht man nun den ganzen Tag in einem kleinen Ort in Transylvanien? (Natürlich aufpassen, nicht von einem Vampir gebissen zu werden.)
Vormittags half ich in einem Kindergarten, unterstützte das Kindergartenteam und gab jede Woche kurze Englisch-Workshops zu den verschiedensten Themen, zudem hatten wir English Conversation Clubs, durften selber an Workshops der Organisation teilnehmen, arbeiteten in einem Center mit Beeinträchtigten und hatten die Möglichkeit, ein eigenes Projekt für die lokale Gemeinschaft umzusetzen. Ich rief gemeinsam mit den anderen Freiwilligen und einigen lokalen Freiwilligen einen Theaterclub ins Leben und studierte mit ihnen ein mehrsprachiges Theaterstück ein (Englisch, Rumänisch & Ungarisch).
Denn wir lebten in dem Kreis “Harghita”, in dem größtenteils die ungarischen Szekler leben. Ich kann inzwischen bestätigen: Ungarisch gehört wirklich zu den schwierigsten Sprachen der Welt. Woche nach Woche wurde das “Yellow House”, in dem wir wohnten, immer mehr zu unserem Zuhause. Wir dekorierten für Weihnachten, kochten gemeinsam, machten Filmabende, bastelten und planten Ausflüge und Reisen.
Jetzt, einige Wochen nach meiner Rückkehr, kann ich erst richtig wertschätzen, wie viel mir diese gemeinsame Zeit bedeutet hat. Ich habe in diesen acht Monaten so viel gelernt: über mich selbst, andere Kulturen, das Zusammenleben und das Leben im Allgemeinen. Ich durfte unglaublich inspirierende Menschen kennenlernen und werde für immer dankbar für diese Erfahrung sein. Auch wenn ich tatsächlich in diesen 8 Monaten leider keinen Vampir getroffen habe (trotz mehrfacher Besuche des Bran-Schlosses), stieg ich nun doch ein letztes Mal in den Nachtzug Richtung Wien.
Diesmal mit noch mehr Gepäck als auf der Hinfahrt, und einem Herzen voller Erinnerungen und Erfahrungen, die ich niemals vergessen werde. Ich kann also wirklich jedem nur empfehlen, über seinen Schatten zu springen und es zu wagen ins Ausland zu gehen. Das ESK bot mir die perfekte Möglichkeit: Denn es verband meinen Wunsch, für einige Zeit im Ausland zu leben und gleichzeitig etwas Sinnvolles zu tun und dabei neue Freunde fürs Leben zu finden.