Zehn Monate im Regenwald
Mein Zivilersatzdienst in Costa Rica

Programm: Österreichischer Auslandsdienst (Zivilersatzdienst)
Ort: Tropenstation La Gamba, Puntarenas, Costa Rica
Zeitraum: Dezember 2020 bis September 2021

 

Als ich Ende 2020 nach Costa Rica aufbrach, befand sich die Welt mitten in der COVID-19-Pandemie. Viele hielten mich für verrückt. Während in Österreich Ausgangsbeschränkungen, Lockdowns und Unsicherheit den Alltag bestimmten, stieg ich mit einem One-Way-Ticket ins Flugzeug. Vor mir lagen zehn Monate Zivilersatzdienst an der Tropenstation La Gamba – mitten im tropischen Regenwald im Süden Costa Ricas. Ich wusste zwar, dass mich ein Abenteuer erwartete, aber ich hatte keine Vorstellung davon, wie sehr mich diese Zeit verändern würde.

Die ersten Tage waren ein Kulturschock. Nach einer langen Busfahrt durch Costa Rica kam ich spätabends in La Gamba an, einem kleinen Dorf mit nur wenigen hundert Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Tropenstation liegt direkt am Rand des Nationalparks Piedras Blancas – einem der artenreichsten Regenwälder Mittelamerikas. Die Luft war heiß und extrem feucht, nachts waren überall die Geräusche des Dschungels zu hören und schon in meinem Zimmer wurde ich von Ameisen willkommen geheißen. Mir wurde schnell klar: Das würde kein gewöhnlicher Auslandsaufenthalt werden.

Mein Arbeitsalltag war unglaublich abwechslungsreich. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tropenstation unterstützte ich Forschungsprojekte, erledigte organisatorische Aufgaben und half bei der Betreuung internationaler Studierendengruppen. Besonders spannend war für mich die Öffentlichkeitsarbeit. Ich betreute die Social-Media-Kanäle der Station, produzierte Fotos und Videos und arbeitete sogar an Filmaufnahmen für einen Beitrag des ORF über den Regenwald und Wiederbewaldungsprojekte mit.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Naturschutz. Ich durfte selbst Bäume pflanzen und lernte, dass Aufforstung viel mehr bedeutet, als einfach einen Setzling in die Erde zu setzen. Hinter jedem Baum steckt jahrelange Vorbereitung. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Klima- und Umweltschutz nachhaltig verändert.

Mindestens genauso prägend wie die Menschen war das costa-ricanische „Pura Vida“. Ich lernte Spanisch, wurde herzlich aufgenommen und fühlte mich mit der Zeit als Teil der Gemeinschaft. Natürlich verlief nicht alles nach Plan. Wegen der Pandemie mussten wir flexibel sein und Verantwortung übernehmen. Gerade dadurch bin ich persönlich enorm gewachsen.

Wenn mich heute jemand fragt, was ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, denke ich an Selbstständigkeit, neue Freundschaften, den Regenwald und den Mut, Neues zu wagen. Ein Auslandsaufenthalt erweitert den Horizont auf eine Weise, die man vorher kaum beschreiben kann. Für mich war der Zivilersatzdienst in Costa Rica eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Allen, die überlegen, selbst ins Ausland zu gehen, kann ich nur sagen: Traut euch. Die größten Entwicklungen beginnen oft dort, wo die eigene Komfortzone endet.