Ivas Sommerakademie in Rēzekne!
Ankunft, Campus-Leben und internationale Begegnungen
Sveiki!
Mein Name ist Iva Tsatskrialashvili. Ich komme ursprünglich aus Georgien und werde ab September 2026 “Marketing & Sales” an der FH CAMPUS 02 in Graz studieren. In der Zeit vom 03. August bis zum 12. August 2025 hatte ich das große Glück, über das Latvian State Scholarship an der Sommerakademie in Rēzekne – im Herzen der malerischen Region Lettgallen in Lettland – teilzunehmen. Das Programm trug den passenden Titel “Green farming skills in a traditional Latvian farmstead” und fand an der Rezekne Technical Academy (die an die Technische Universität Riga / RTU angegliedert wurde) statt. Wir waren eine kleine Gruppe von etwa sechs oder sieben Teilnehmern, dafür aber extrem international aufgestellt. Ich habe tolle neue Leute aus der ganzen Welt kennengelernt – unter anderem aus den USA, Tschechien und Japan. Untergebracht waren wir sehr komfortabel in Einzelzimmern in den Studentenwohnheimen der RTU. Auch die Verpflegung war super: Das tägliche Frühstück und die Mittagessen waren durchgehend hervorragend und haben uns die nötige Energie für das straffe Programm gegeben. Die Organisatoren haben uns bei absolut allem geholfen, jeder noch so kleine Wunsch wurde uns praktisch von den Lippen abgelesen.

Lettgallische Kultur und Einblicke in die RTA
Jeder Tag war eine intensive Reise in die lettische und speziell die lettgallische Kultur. Wir hatten Unterricht über die reiche Geschichte Lettgallens und besuchten verschiedene spannende Museen in Rēzekne. Ein absolutes Highlight auf dem Campus war die ausführliche Exkursion durch die Universität der RTA. Wir durften hinter die Kulissen blicken und sahen, was die Design-Studenten dort alles erschaffen – von detaillierten Kunstprojekten bis hin zu echten Kleidungsstücken. Es war beeindruckend zu sehen, wie dort gearbeitet und designt wird.
Handwerk, Ledertechnologie und Textilkunst
An einem anderen Tag fuhren wir in ein nahegelegenes Dorf, um traditionelles Handwerk hautnah zu erleben. Wir lernten dort alles über die alte Ledertechnologie. Uns wurde genau gezeigt, wie das Material früher wie heute behandelt und verarbeitet wird. Wir durften sogar selbst Hand anlegen und unsere eigenen kleinen Leder-Schlüsselanhänger basteln! Das war nicht nur extrem lehrreich, sondern auch ein tolles persönliches Andenken. Später im Programm wurde es dann auch noch richtig farbenfroh: Wir bekamen T-Shirts, die wir mit einer ganz bestimmten Technik bearbeiteten. Wir nutzten Knöpfe und Seile, um das Muster vorher festzulegen und die Stoffe abzubinden. Anschließend wurden die T-Shirts förmlich in der Farbe gekocht. Die Ergebnisse sahen richtig stark aus!
Traditionelle Landwirtschaft
Brotbacken und Käseherstellung Passend zum Fokus der Sommerakademie auf “Green farming skills” machten wir mehrere Ausflüge auf traditionelle Bauernhöfe in der Region. An einem Tag backten wir unser eigenes Schwarzbrot – streng nach den alten lettgallischen Traditionen. Während das Brot im Ofen war, konnten wir den Hof erkunden, sahen, wie die Menschen dort leben, entdeckten die heimischen Pflanzen und spielten mit den Hofkatzen, die es mir besonders angetan hatten. Das traditionelle Mittagessen an diesem Tag war komplett selbstgemacht und schmeckte unbeschreiblich gut. An einem weiteren Tag lernten wir, wie man eigenen Käse herstellt. Aus frischer Milch und nach einem jahrhundertealten lettgallischen Rezept haben wir den Käse selbst produziert, was eine wirklich großartige Erfahrung war.
Ein exklusives Herrenhaus, Badespaß und Zeitreisen in die UdSSR
Wir kamen auch in den Genuss, die herrliche Natur und Architektur der Region zu erkunden. Ein unvergesslicher Ausflug führte uns zu einem großartigen, altehrwürdigen Herrenhaus. Das Beeindruckende daran: Die Location war an diesem Tag exklusiv nur für unsere Gruppe reserviert. Ich habe in dieser malerischen Kulisse unzählige Fotos geschossen. Danach besuchten wir den Rāzna-See. Ich nutzte die Gelegenheit direkt und ging eine Runde schwimmen – und zwar als Einziger aus der ganzen Truppe, denn allen anderen war das Wasser viel zu kalt! Richtig abenteuerlich waren auch unsere kleinen “Lost Places”-Touren. Arthur, einer unserer Betreuer von der RTU, gab uns zunächst eine persönliche Führung durch sein faszinierendes Lebensmittel- und Verpackungsmuseum. In unserer Freizeit zogen wir dann los und erkundeten alte, verlassene Orte und Ruinen in Rēzekne. Das war wie eine echte Zeitreise! Ich fand dort im alten Gerümpel einen historischen Rasenmäher, der mit Sicherheit älter war als ich. Arthur machte zudem eine verrückte Entdeckung: Inmitten von Müll fand er eine alte Eisverpackung aus der Zeit der UdSSR (also noch viel älter!), die sich kurioserweise in einem absoluten Originalzustand befand.
Mein Fazit: Besser als Erasmus!
Zusammenfassend kann ich ohne Zögern sagen, dass diese Sommerakademie eine meiner besten Erfahrungen war – sogar noch besser als meine klassischen Erasmus-Erfahrungen! Wir haben nicht nur die Sprache gelernt, sondern die lettische Kultur wirklich jeden einzelnen Tag gelebt. Der Einfluss war so nachhaltig, dass ich wieder zu Hause in Graz direkt ein traditionelles Pilzgericht nachgekocht habe, das ich in einem der lettgallischen Dörfer lieben gelernt hatte: Einfache Eierschwammerl mit saurer Sahne und Kartoffeln. Es hat perfekt geschmeckt! Ich fühle mich mittlerweile fast schon selbst wie ein echter Lette und kann das Latvian State Scholarship jedem nur wärmstens empfehlen.
